OPENING: Von Fleischpflanzerln, Kanarienmilch und anderen Tafelfreuden - KERSTIN SERZ
OPENING:
Von Fleischpflanzerln, Kanarienmilch und anderen Tafelfreuden - KERSTIN SERZ
VERNISSAGE
Samstag, 16. November 2024, 18 Uhr
Ausstellung
16. November 2024 – 18. Januar 2025
Adresse
Hilleckes Gallery
Wielandstraße 30
10629 Berlin
Die neue Ausstellung der Hilleckes Gallery trägt den klangvollen Titel Von Fleischpflanzerln, Kanarienmilch und anderen Tafelfreuden und entführt die Besucher in die surrealen Bildwelten der Künstlerin Kerstin Serz. Die talentierte Malerin erschafft auf der Leinwand Szenen, die auf den ersten Blick vertraut wirken, doch in ihrer ungewöhnlichen Kombination eine Palette von Eindrücken hervorrufen – mal seltsam, mal verspielt, oft bizarr. Ein Radicchio schwebt etwa über einer mit Tatzen und Hermelinschweif ausstaffierten Suppentasse, die ihn kaum zu fassen vermag. Derart geadelt zieht der zudem in Übergröße dargestellte Radicchio seine Betrachter in Bann. Die Darstellung zwingt einen geradezu, sich einen Plot auszudenken.
Serz greift mit Humor und Einfallsreichtum die eigentümlichen Namen der Speisen auf und verwandelt sie in skurrile Fantasien. Was mag sich wohl hinter dem Begriff "Kanarienmilch" verbergen? Automatisch denkt man an die leuchtend gelben Vögel. In einem ihrer Werke sieht man tatsächlich drei lebhafte Kanarienvögel, die sich in einer üppigen Schale voller Schlagsahne tummeln. Zwei Ausgüsse lassen eine goldene Flüssigkeit herausfließen, die unweigerlich an die "Kanarienmilch" erinnert – eine amüsantes und zugleich viel aufregendere Interpretation einer gewöhnlichen Vanillesauce, welcher sich hinter der Bezeichnung verbirgt.
Kerstin Serz schafft in ihren Bildern Arrangements von surrealem Zauber, in dem Drama und Ironie miteinander spielen. Ihr opulenter Malstil trägt eine tiefere, persönliche Symbolik in sich, die ihren Ursprung in der Kindheit der Künstlerin hat. Als ungetauftes Kind im katholisch geprägten Bayern entwickelte sie früh eine kindliche Rebellion gegen konventionelle Normen, die sich heute als spannungsgeladener Subtext durch ihr Werk zieht. Schönheit wird in ihren Bildern zelebriert, zugleich aber hinterfragt – nicht um sie zu zerstören, sondern um sie neu zu ordnen. Ihre Werke fordern die Aufmerksamkeit des Betrachters heraus, teils durch provokative Elemente, stets jedoch mit einer intensiven Kraft.
Ein zentrales Motiv ihrer Kunst ist das rohe Fleisch, inspiriert von dem biblischen Vers „Alles Fleisch ist wie Gras“ (1. Petrus 1,24-25). Serz setzt Fleisch als Symbol für die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens ein, das unaufhörliche Werden und Vergehen. Selbst Kitschmotive wie Schmetterlinge finden als wesentliche Bestandteile in dieser Symbiose ihren Platz. Fleisch, das Grundelement menschlicher Kultur und Evolution, wird zur Metapher für die Freiheit und Fragilität der Existenz – gerade in einer Zeit, in der Sprache und Konsum mehr und mehr reguliert werden.
Serz’ Werke sind keine Illustrationen im klassischen Sinne; sie bebildern keine festgelegte Geschichte, sondern öffnen einen Raum, den jeder Betrachter mit seinen eigenen Erzählungen füllen kann. Ihre Bildwelten entziehen sich klaren Definitionen und fordern dazu auf, das Ungeklärte anzunehmen – voller Intensität und Unverblümtheit, dramatisch und manchmal verstörend, aber immer lebendig.
Ihr Hilleckes Gallery Team
The new exhibition at the Hilleckes Gallery, titled *Of Meatballs, Canary’s Milk, and Other Table Delights*, invites visitors into the surreal visual worlds of artist Kerstin Serz. This talented painter creates scenes on canvas that seem familiar at first glance but, in their unusual combinations, evoke a spectrum of impressions—sometimes strange, sometimes playful, often bizarre. One of her works, for instance, shows a radicchio hovering over a soup cup adorned with paws and ermine tails, which seem barely able to contain it. In its exaggerated size and aristocratic presentation, the radicchio draws viewers into its spell, compelling them to imagine a story.
With humor and ingenuity, Serz plays on the peculiar names of various dishes, transforming them into whimsical fantasies. What might lie behind the term "canary’s milk"? One instinctively thinks of the bright yellow birds. In one of her works, three lively canaries appear, frolicking in a lavish bowl of whipped cream. Two spouts pour a golden liquid that irresistibly brings "canary’s milk" to mind—a playful and far more intriguing interpretation of a simple vanilla sauce hidden behind the exotic name.
In Serz's paintings, arrangements of surreal charm blend drama and irony. Her opulent style conveys a deeper, personal symbolism rooted in the artist’s childhood. Growing up as an unbaptized child in Catholic Bavaria, she developed an early, childlike rebellion against conventional norms—a tension-laden subtext that runs through her work today. Beauty is celebrated in her images, yet simultaneously questioned—not to destroy it but to reorganize it. Her works challenge the viewer’s attention, sometimes with provocative elements but always with an intense force.
A central theme in her art is raw meat, inspired by the biblical verse “All flesh is like grass” (1 Peter 1:24-25). Serz uses meat as a symbol for life’s transience and fragility, the ceaseless cycle of creation and decay. Even kitsch motifs like butterflies find a place within this symbiosis, becoming essential elements. Meat, a fundamental element of human culture and evolution, serves as a metaphor for the freedom and fragility of existence—especially in an era when language and consumption are increasingly regulated.
Serz’s works are not illustrations in the traditional sense; they do not tell a fixed story but instead open a space each viewer can fill with their own narratives. Her visual worlds resist clear definitions, urging viewers to embrace ambiguity—with intensity and candor, sometimes dramatic and even disturbing, but always vividly alive.
Your Hilleckes Gallery Team